Abstract Nickerl D2

Vom puristischen Nichts zum Rande des Wahnsinns

Prof. Dipl.-Ing. Frank Nickerl

Innenraum-Trends im heutigen Heute sind von einer verästelten Mannigfaltigkeitsästhetik. Bei all den aktuellen, hippen Innenarchitekturprojekten lässt sich kein eindeutig prägender Up-to-Date-Style mehr entdecken. Designer befinden sich in der dritten Postmoderne. Dort kann so ziemlich alles entworfen, geplant, und gezeitigt werden (wenn die Beauftragung erfolgt ist).

Der Beitrag beleuchtet zwei Fluchtlinien innerhalb des rhizomatisch strukturierten Milieus internationaler Raumgestaltung (im deleuzianischen Sinn) und ist auch durch den popkulturellen Konsens in Bezug auf Spielfilme mit visionärer Raumästhetik geprägt. Dort werden räumliche Inszenierungen gezeitigt, die durch Skript und Drehbuch bestimmt werden und die uns Betrachter mit den neusten Wünschen des Wohnens konfrontieren. Wir betrachten Purismus und NeoBarock.

Richtet sich der Wunsch des Benutzers, des Beauftragenden an die Fähigkeit des Designers heutige Interieurs nach puristischem „Weniger bis Nichts“ zu entwerfen um das hippe Leben im Jetzt zu leben, so wird diese Intension durch das ersehnte Futuristisch-Digitale angetrieben. Die digitale Unterstützung könnte in Zukunft zum Verschwinden und Verzicht des Objekthaften führen. Bücher-, DVD- und Vinylregale werden nicht mehr gebraucht. Mediale Bilder sind nicht zu verdrängen, werden perfektioniert und reichern den Innenraum an.

Brauchen wir Stuhl und Bett? Sitzen und Liegen möchten wir alle. Verbleibt der Raum an sich? Ja, denn es regnet weiterhin.

Läuft der Wunsch des Benutzers und des Beauftragenden darauf hinaus sich opulentes Barockdesign für den Raum inszenieren zu lassen und damit ein anachronistisches Abbild seines eingeschrieben Wohlstandes darstellen zu können, dann sind die neuen Entwürfe und Planungen mit digitalem Knowhow und alle dafür notwendigen Devices auszustatten. Das lässt den Benutzer im akuten Jetzt leben, denn er wünscht sich alles: Now!

In der offenen, weiten Fläche derzeitiger innenarchitektonischer Drifting-Styles geht weitaus mehr... Selbst wenn Designvorgaben und Vorstellungen von reaktionär Beurteilenden vorliegen, die entworfene Räume gestalterisch und kontextuell als unästhetisch beschreiben, so gelingt es dem Entwerfer im Heute diese Arbeit als Installationskunst zu präsentieren.

Innenraum funktioniert als Schnittstelle und Träger aller Kreativdisziplinen: Sound, Grafik, Mode, Media. Art for art‘s sake. Leider ist Innenarchitektur bisher noch eher eine unerkannte popkulturelle Disziplin.

Come on GO POP!

lehrt Ausstellungsdesign und Entwerfen.  Er ist Architekt und lebt in Frankfurt.