Abstract Kesseler

Modern | Unmodern

Prof. Thomas Kesseler

Alle Welt schielt nach dem neuesten Trend. Die Modepäpste versorgen uns mit Gesprächsstoff über Farben. Jahreszeiten und Jahreskollektionen leben von Ideen und Farbklängen. Genauso wird es von den Architektur und Innenarchitekturmagazinen übernommen. Vielleicht ist die Innenarchitektur noch mehr prädestiniert für modische Trends, denn manch ein Raum, ein Laden wird nach wenigen Jahren neu eingerichtet und dem Zeitgeist angepasst. Sicherlich ist es sogar zum Teil in den Aufgabenstellungen verankert wie „up to date“ ein Lösungsansatz sein muss.
Dem Zeitlichen und Vergänglichen als farbigem, modischen Kleid, steht aber die Schwerfälligkeit der Materialität entgegen. Auch die Eigenschaften eines Baustoffes schränken die Farbauswahl häufig ein. Oder die eigene Materialfarbe wird als materialgerechte Lösung stehen gelassen. Wie oft haben wir grüne oder orangene Bäder herausgerissen und durch neutrale Farben ersetzt. Oder haben wir einfach nicht lange genug gewartet bis die Popkultur beispielsweise wieder modern wird?

Dem wirtschaftlichen Ansatz des Prinzips der Steigerung der Produktivität, steht die Ökonomie und das Bemühen um ein ökologisches, nachhaltiges Bewusstsein entgegen. Auch die Farbigkeit kann hierzu gehören. Wenn eine Gestaltungsentscheidung grundsätzlich getroffen wird, ist sie zwar einer Zeit verpfl ichtet, vermag aber über die Kurzfristigkeit der Mode erhaben zu sein. Sind wir nicht immer wieder auf der Suche nach diesen Klassikern, die ihren Wert nicht verlieren?

 

lehrt Raum- und Farbgestaltung. Er ist Maler, Bildhauer und Architekt.
Er lebt in Bad Hönningen.