...mitohne Stoff

Prof.'in Dipl.-Ing. Ulrike Kerber

 

Umgangssprachlich ist damit eigentlich schon das meiste gesagt, denn mitohne meint die tatsächliche Anwesenheit einer Möglichkeit, aber eben ohne Tatkraft. Kinder spielen mitohne Augen verstecken oder tanzen mitohne Hände. Die so entstehende Irritation ist unter anderem deshalb so reizvoll, weil bereits erworbene Wahrnehmungs- möglichkeiten außer acht gelassen werden. Menschen lieben Spiele, deren Regeln ein Tasten ohne zu schauen, ein Essen ohne zu greifen oder gar ein Sprechen ohne zu
atmen vorschreiben. Dabei werden Sinne aus- oder abgeblendet und somit verschiebt sich die Wahrnehmung zugunsten der übrigen
Sinne. Experimente zur Weltaneignung ließen sie sich nennen, in denen nicht mehr der ganze Körper als Wahrnehmungsinstrumentarium zur Verfügung steht, sondern eben ein reduziertes Sinnesspektrum, das sich in der neuen Situation wacher und fühliger erweisen muss, will es dem Forschenden weiterhin gelingen, zuvor leicht Verfügbares wieder in seine Nähe zu bringen. Doch was geschieht, wenn das Verfügbare stark reduziert oder nicht vorhanden ist?

Wenn unsere Fähigkeiten, nonverbale Raumkommunikation zu erleben, nicht mehr gefragt sind? Was geschieht, wenn sich Gestalter auf ein allzu schmales Spektrum der materiellen Artikulationsmöglichkeiten im Raum einlassen? Heidi Helmhold spricht von ‚strafenden Räumen‘ und meint damit Räume, die vollkommen ohne Textilien gestaltet wurden. Der Beitrag im Rahmen der Design Dialoge Detmold beschäftigt sich mit der Rolle textiler Materialien in der Raumsprache.

lehrt Grundlagen des Entwerfens. Sie ist Innenarchitektin und Gründerin des Büros Gestalt Raum Farbe in Osnabrück