Abstract Hans Sachs D3

Weiche Räume

Prof. Dipl.-Ing. Hans Sachs

“Everything should remain possible;
everything should be able to happen.
The environment will be shaped by the activities of life, not vice versa.”
- Constant Nieuwenhuys -
Die sechziger und die frühen siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts waren architekturgeschichtlich besonders bedeutsam. Durch den Einfluss neuer Materialien, sowie dem direkten Zugang zu Technologien wurden zahlreiche Experimente zu interaktiven, adaptiven und dynamischen Entwürfen realisiert. Dazu gehören neben ‚New Babylon’, insbesondere die Visionen von Archigrams ‚Living Pod’, Haus Rucker Co.‘s ‚Oase Nr. 7’ und Coop Himmelb(l)au‘s ‚Villa Rosa’ sowie‚ Softspace und Hardspace’, E.A.T.sNebelskulptur auf der Expo‚ 70 in Osaka, Ant Farms lnflatables, später das Inflatocookbook oder Cedric Price’s Fun Palace.

Im gegenwärtigen Informationszeitalter wird der Begriff und Aufgabe(n) der Architektur zunehmend hinterfragt. Aus der bisher nahezu exponentiellen Entwicklung der Rechenleistung von Computern resultieren zahlreiche Möglichkeiten der Entwicklung, (Re-)Produktion.
Der Titel ‚Weiche Räume’ steht hierbei für eine neue Interpretation von Raum auf verschiedenen Ebenen: Zum einen an der Schnittstelle zwischen virtuellen und physischen Welten (AR/MR), sowie im Kontext der Partizipation - der Aneignung undGestaltung von Raum durch seine(n) Nutzer, als auch bezüglich der direkten Interaktion des Nutzers mit dem Raum.

Sogenannte ‚Mixed Realities’ machen heute deutlich, wie die Prinzipien der bisherigen Wahrnehmung und Inszenierung von Raum aufgebrochen werden. Immersive 3D Projektionen, 3D Aufnahmen (Scans) sowie computergesteuerte, sensorische und intelligente, sich selbst-organisierende und agierende Elemente erweitern Raum nicht nur um eine Vielzahl von Schnittstellen mit Menschen oder Dingen. Die direkte Interaktion führt auch zu neuen Möglichkeiten der Partizipation, Wahrnehmung und (Re-) Produktion von architektonischem Raum. Kas Oosterhuis’ ONL’s interaktive Bauten, Studio Roosegarden’s dynamische Installationen ,Skylar Tibbits’ ,Selbst-Organisierende Strukturen’, Neri Oxman’s ‚Materialecology Lab’, Ruari Glynn’s ‚Interactive Architecture’ Plattform und Mark Goulthorpes ‚Hyposurfaces’ (MIT) sind hier nur eine Auswahl von Studien und Projekten, die diese Aspekte beleuchten.Der dadurch angestoßene Diskurs wird immer wichtiger. In der heutigen Zeit bilden digitale Werkzeuge bereits die Basis für die Kommunikation und Beziehung zwischen Nutzern, Planern, Handwerkern, Monteuren
und dem gebauten Raum selbst.

Architekten haben die dringende Aufgabe mit einem ‚technologischen Optimismus’ neue Werkzeuge und Methoden zu erpro-
ben, refl ektieren, sinnvoll zu verknüpfen und im räumlichen Kontext zu positionieren. Dies ist nur möglich, wenn sie dazu bereit sind, Unbekanntes zu erforschen und die Architektur zu einer hoch kooperativen und interdisziplinären Praxis zu entwickeln, die auf die natürliche Evolution reagiert und Technologie mitgestaltet sowie integriert. Die Symbiose aus Physik, Biologie, Computingund Gestaltung bilden dabei die Basisfür eine  neue Architektur der ‚Weichen Räume’

 

lehrt CAAD - Computer Aided Architectural Design.
Er lebt in Köln.