Abstract Filter D3

Räume als Operatoren eines selbstgesteuerten Lebens

Prof.'in Dipl.-Ing. Eva Filter

Das Zeichen „+“ steht für eine Rechenoperation und ist ein arithmetischer Operator.
Operatoren sind „Bewirker“ ,sie sind „Macher“.

Im Sinne der Nutzung von Räumen sind Operatoren Handlungsaufforderungen, die die Tätigkeiten von Menschen initiieren,
lenken und strukturieren können. Sie bestimmen damit das Verhalten der Nutzer. Sie orientieren sich daran, mit welchen Mitteln und Methoden Menschen sich Räume aneignen, welche Signale, Symbole und Vorahnungen sie auffordern, aktiv und selbstgesteuert den Raum zu bewohnen.

Operatoren sollen eindeutig ankündigen , welche Möglichkeiten der Raum bietet. Sie sind Vorboten von Handlungsvorgängen,
die dort stattfinden könnten. Ein Beispiel für diese Bemerkungen ist die Aneignung eines Sessels:
an einem kalten Wintertag wird man den Sessel in Wolltuch gekleidet - einem Ledersessel vorziehen, weil in der Erwartung des Nutzers durch die Materialisierung eine intuitive Entscheidung getroffen wird. Der Mensch tritt in Dialog mit dem Raum und seinen Dingen. Die Impulse , die er dazu aus dem Raum empfangen kann, unterliegen folgenden Prämissen:
1. Orientierung in Wege-und Möblierungszonen                                                                                                                                                                                                   2. Eindeutigkeit der Botschaften aus dem Raum
3. Ganzheit der Formen, Farben und Materialien, Strukturen
4. Flexibilität und Partizipation in den Nutzerbedürfnissen
5. Aufforderungscharakter der Dinge
6. Charakterisierung der Orte durch sichtbare Beziehungsfelder
7. Erlebnisorte und deren Verknüpfung

Raum lädt ein, ermutigt, unterstützt und befähigt den Nutzer zu eigenständigem Handeln. Innenraumkonzepte denken das Verhalten voraus. Orte sind dabei nie nur geometrische Orte sondern immer auch Erlebnis- und Erfahrungsorte. Sie müssen zu gestaltaktiven emotionalen Orten, mit Erlebnis aufgeladen, entwickelt werden.
Das Verständnis für räumliche Relationen bildet sich in der Interaktion von Sensorik und Motorik heraus. Prof. Dr. Ingo Rentschler

Indem ich den Raum begehe, ihn in den verschiedenen Handlungsorten nutze, bin ich aufmerksam, entwickle die Vorstellung von ganzheitlichen Bildern, die sich in mein Verstehen von diesem Raum einprägen. Die gegenständliche Aneignung ist eine Mensch - Objekt - Interaktion, es entsteht eine Beziehung zwischen Mensch und Ding. Der Anreiz kann darin bestehen, dass ein Objekt einen Angebotscharakter besitzt, auch Affordanz genannt. Er beinhaltet die Aufforderung oder Motivation zur Nutzung und gibt Auskunft über mögliche Verwendungen. Je klarer und eindeutiger die Nutzungsmöglichkeiten vom Gegenstand kommuniziert werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Adressat etwas damit anfangen kann.

Walter Benjamin ruft in Erinnerung, daß die Weltbeziehung des Menschen zunächst und zuerst aus Resonanzen erwächst. Wenn der Mensch in Beziehung ist zu den Dingen und in Beziehung zum Raum, dann ist das eine geglückte Umfeldintegration, Hartmut Rosa nennt es eine geglückte Weltbeziehung

lehrt Entwurf und Konstruieren von Wohnungen und Wohnungseinrichtungen.
Sie ist Innenarchitektin und lebt in Horn Bad-Meinberg.